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Reetdachbau einfach erklärt: Herstellung und Technik von gebundenen, geschraubten, genähten und Schindel-Reetdächern

Ein Reetdach verbindet jahrhundertealte Handwerkskunst mit modernen Anforderungen an nachhaltiges Bauen. Die traditionellen Decktechniken haben sich über Generationen bewährt und werden heute noch nach ähnlichen Prinzipien ausgeführt. Dabei stehen vier Hauptverfahren zur Verfügung: das gebundene, das geschraubte, das genähte und das dekorative Schindel-Reetdach. Jede Technik hat ihre eigenen Vorzüge und eignet sich für unterschiedliche Anforderungen, von der klassischen Weichdeckung bis hin zu dekorativen Dachflächen mit charakteristischer Schindelstruktur.

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Die richtige Unterkonstruktion als Fundament

Bevor die eigentliche Reetdeckung beginnt, muss der Dachstuhl sorgfältig vorbereitet werden. Er trägt nicht nur sich selbst und die Dachdeckung, sondern muss auch den Belastungen durch Schnee und Wind standhalten. Eine fachgerechte Verankerung mit dem Mauerwerk verhindert, dass starke Winde das Dach anheben oder beschädigen können.

Die Konstruktion besteht aus Sparren und Dachlatten, deren Abstände je nach Dachneigung und verwendetem Material gewählt werden. Bei Dachneigungen bis 60 Grad sollte der Lattenabstand maximal 35 Zentimeter betragen, bei steileren Dächern nicht mehr als 30 Zentimeter. Wichtig ist dabei: Die Dachneigung sollte mindestens 45 Grad betragen, um eine optimale Wasserableitung zu gewährleisten.

Das gebundene Reetdach – die traditionelle Technik

Das gebundene Reetdach gilt als Urform der weichen Bedachung und bietet besondere Vorteile. Ein einzelner Dachdecker kann die Arbeiten durchführen, da kein Gegennäher auf der Innenseite benötigt wird. Dies macht die Technik besonders interessant für die Neueindeckung von ausgebauten Dachböden, bei denen Innenverkleidung nicht entfernt werden müssen.

Die Deckung beginnt meist an der Traufe des wetterabgewandten Giebels. Zunächst wird eine etwa 30 Millimeter dicke Vorlage aus Reet verlegt, die verhindert, dass Spitzen der Deckbunde unter die Latten getrieben werden. Die ersten Lagen werden durch Bindung und die sogenannte Beugespannung gehalten. Diese entsteht durch eine leichte Erhöhung der Auflagenkante an der Traufe um 5 bis 7 Zentimeter – der sogenannte Kniep.

Zur Befestigung wird heute Stangendraht in Stärken von 4,6 bis 10 Millimetern verwendet. Mit speziellen Nadeln wird der Bindedraht durch die Deckschicht geführt, unterhalb der Dachlatte gegriffen und wieder herausgezogen. Pro laufendem Meter werden 5 bis 6 Bindungen benötigt, deren Abstand 25 Zentimeter nicht überschreiten sollte. Der Stangendraht drückt die Schilfhalme in ihre charakteristische gebogene Form und gibt der Deckung gleichzeitig eine hohe Festigkeit.

Die Reetdeckung sollte in der Fläche mindestens 30 Zentimeter stark sein und das Gebäude allseitig um mindestens 50 Zentimeter überragen. An der Traufe beträgt der Überstand 15 bis 30 Zentimeter, die sichtbare Traufdicke mindestens 30 Zentimeter.

Das geschraubte Reetdach – moderne Effizienz

Die Schraubtechnik stammt ursprünglich aus Dänemark und wurde Anfang der 1980er Jahre in Deutschland eingeführt. Sie stellt eine zeitsparende Weiterentwicklung des gebundenen Daches dar und vereinfacht die Arbeitsabläufe erheblich.

Statt den Bindedraht aufwendig hinter der Lattung durchzuführen, arbeitet der Dachdecker mit vorgefertigten Schrauben, um die mittig ein Bindedraht gewickelt ist. Diese werden mit einem Akkuschrauber und einer Schraubverlängerung von oben durch die Reetschicht in die Dachlattung versenkt. Anschließend werden die beiden Drahtenden oberhalb des Stangendrahtes mit einem Rödler verdreht, wodurch der Stangendraht auf die Reetschicht gepresst wird.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein einzelner Handwerker kann die Arbeiten ausführen, die körperliche Belastung ist geringer und ausgebaute Dachböden können problemlos neu gedeckt werden. Der Schraubenabstand darf dabei 20 Zentimeter nicht überschreiten. Im Übrigen entspricht die Ausführung der gebundenen Technik.

Das genähte Reetdach – ursprüngliches Handwerk

Das genähte Dach entstand im Mittelalter und kommt ganz ohne Stangendraht aus. Es erfordert mindestens zwei, idealerweise drei Dachdecker: Während zwei Handwerker das Dach decken, sorgt ein dritter für die Materialbereitstellung.

Der Außennäher auf dem Dach und der Gegennäher im Inneren arbeiten Hand in Hand. Der Außennäher sticht die eingefädelte Nadel unterhalb der Dachlatte nach innen, der Innennäher zieht den Draht heraus. Anschließend sticht der Außennäher die leere Nadel etwa 2 Zentimeter rückwärts unter dem Draht durch die Deckung, jedoch über der Dachlatte. Der Innennäher fädelt den Draht ein, der Außennäher zieht ihn zurück und bildet eine Drahtschlinge, mit der die Deckschicht fest gepresst wird.

Der besondere Vorteil dieser Technik: Beim Nähen mit dem Schiffchen kann auf die Vorlage verzichtet werden, da die Bundschichten beim Treiben über die Dachlattung gehoben werden. Zudem wird deutlich weniger Metall verwendet, was das Dach optisch natürlicher wirken lässt.

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Das Schindel-Reetdach – dekorative Vielseitigkeit

Das Schindel-Reetdach kombiniert traditionelle Reetdeckung mit der typischen Schindeltechnik. Dabei werden die Reetbunde in überlappenden Lagen ähnlich wie Holzschindeln verlegt. Jede Lage überdeckt die darunterliegende, sodass eine besonders dichte und wetterfeste Dachhaut entsteht.

Die Befestigung erfolgt meist durch Draht oder spezielle Nägel, die die Reetschindeln sicher auf den Latten fixieren. Der Abstand der Befestigungspunkte hängt von der Größe der Schindeln und der Dachneigung ab. Vorteil der Technik ist, dass die Dachfläche eine gleichmäßige, strukturierte Optik erhält, die zugleich eine hohe Wasserableitung gewährleistet.

Schindel-Reetdächer eignen sich besonders für kleinere Dächer, Gauben oder dekorative Bereiche, bei denen die charakteristische Schindeloptik sichtbar bleiben soll. Durch die Verwendung von Reet bleiben zudem die ökologischen und wärmedämmenden Eigenschaften erhalten, die traditionelle Reetdächer auszeichnen.

Besondere Details in der Ausführung

Unabhängig von der gewählten Technik erfordern bestimmte Dachbereiche besondere Aufmerksamkeit. Dachkehlen sollten bei gebundenen, geschraubten und genähten Reetdächern etwa die 1,5-fache Stärke der Flächendeckung aufweisen und abgerundet ausgeführt werden. Bei Schindel-Reet richtet sich die Stärke nach der Anzahl der überlappenden Schindellagen.

Giebelkanten sind der Witterung besonders stark ausgesetzt. Sie können mit Windbrettern geschützt oder durch eine Aufkantung der Reetbunde (Kniep) stabil gedeckt werden. Bei Schindel-Reet wird der Überstand nach Schindelgröße bemessen. Allgemein sollte die Dachhaut mindestens 15–25 cm über die Giebelwand hinausragen.

Gauben können in unterschiedlichen Formen gedeckt werden. Die Dachneigung sollte mindestens 45 Grad betragen. Die Anschlüsse sind abzurunden und müssen bei klassischen Reetdächern die 1,5- bis 2-fache Stärke haben; bei Schindel-Reet richtet sich die Dimensionierung nach der Schindelüberlappung.

Brandschutz und Anschlüsse

Bei der Planung von Kaminen müssen die bauaufsichtlichen Bestimmungen beachtet werden. Schornsteine bei Gebäuden mit weicher Bedachung müssen beim Dachfirst austreten und diesen um mindestens 80 Zentimeter überragen. Sie sollten von Kehlen, Graten und Gaubenfenster mindestens einen Meter entfernt sein. Die Wangen müssen aus Gründen der Feuersicherheit mindestens 24 cm dick sein und bis 50 cm unter die Dachhaut reichen.

Anschlüsse können verdeckt oder aufliegend ausgeführt werden. Verdeckte Metallanschlüsse liegen innerhalb der Reetschicht, während aufliegende Anschlüsse sichtbar über der Deckung liegen. Bei Schindel-Reet erfolgt die Integration abhängig von der Schindelgröße.

Fazit: Tradition trifft Innovation

Die verschiedenen Decktechniken für Reetdächer zeigen eindrucksvoll, wie traditionelles Handwerk sich über Jahrhunderte bewährt hat und gleichzeitig durch moderne Innovationen weiterentwickelt wurde. Ob gebunden, geschraubt, genäht oder als Schindel-Reet – jede Technik hat ihre Berechtigung und lässt sich auf spezifische Anforderungen abstimmen.

Wer sich für ein Reetdach entscheidet, wählt einen nachhaltigen Baustoff mit langer Tradition. Die fachgerechte Ausführung durch erfahrene Dachdecker gewährleistet eine langlebige Konstruktion und eine charakteristische Optik – von der weichen Rundung klassischer Reetbunde bis zur strukturierten Schindeloptik dekorativer Reetflächen.