Das gebundene Reetdach – die traditionelle Technik
Das gebundene Reetdach gilt als Urform der weichen Bedachung und bietet besondere Vorteile. Ein einzelner Dachdecker kann die Arbeiten durchführen, da kein Gegennäher auf der Innenseite benötigt wird. Dies macht die Technik besonders interessant für die Neueindeckung von ausgebauten Dachböden, bei denen Innenverkleidung nicht entfernt werden müssen.
Die Deckung beginnt meist an der Traufe des wetterabgewandten Giebels. Zunächst wird eine etwa 30 Millimeter dicke Vorlage aus Reet verlegt, die verhindert, dass Spitzen der Deckbunde unter die Latten getrieben werden. Die ersten Lagen werden durch Bindung und die sogenannte Beugespannung gehalten. Diese entsteht durch eine leichte Erhöhung der Auflagenkante an der Traufe um 5 bis 7 Zentimeter – der sogenannte Kniep.
Zur Befestigung wird heute Stangendraht in Stärken von 4,6 bis 10 Millimetern verwendet. Mit speziellen Nadeln wird der Bindedraht durch die Deckschicht geführt, unterhalb der Dachlatte gegriffen und wieder herausgezogen. Pro laufendem Meter werden 5 bis 6 Bindungen benötigt, deren Abstand 25 Zentimeter nicht überschreiten sollte. Der Stangendraht drückt die Schilfhalme in ihre charakteristische gebogene Form und gibt der Deckung gleichzeitig eine hohe Festigkeit.
Die Reetdeckung sollte in der Fläche mindestens 30 Zentimeter stark sein und das Gebäude allseitig um mindestens 50 Zentimeter überragen. An der Traufe beträgt der Überstand 15 bis 30 Zentimeter, die sichtbare Traufdicke mindestens 30 Zentimeter.