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Firstarten bei Reetdächern – Überblick & Gestaltungsmöglichkeiten

Der First ist ein zentrales Bauelement jedes Reetdaches und prägt sowohl die Funktion als auch das Erscheinungsbild. Als höchster Punkt des Daches ist er den Witterungseinflüssen besonders stark ausgesetzt. Eine fachgerechte Ausführung ist deshalb entscheidend für die Haltbarkeit und Funktionssicherheit des gesamten Daches.

Im Laufe der Zeit haben sich – je nach Region, Tradition und verwendeten Materialien – unterschiedliche Firstarten entwickelt. Jede Variante bietet eigene Vorteile und Gestaltungsmöglichkeiten, die das Dach individuell prägen.

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Der traditionelle Reet- und Strohfirst

Der Heidefirst besteht traditionell aus gemähtem Heidekraut, wobei regional auch Wirrstroh, Seegras oder Quecken verwendet werden. Während früher Heidekraut aus Wäldern und Heideflächen genutzt wurde, steht heute gepresste Ballenheide zur Verfügung. Bei dieser Firstart stoßen die beiden Firstlatten direkt an der Sparrenspitze zusammen.

Auf die gebogene und gestopfte letzte Decklage wird zunächst eine Unterlage aus Dachpappe und darauf eine etwa 30 Zentimeter breite Schicht Heidekraut aufgebracht. Die Heideballen werden lagenweise im Verband und unter Berücksichtigung der Wetterrichtung überlappend verlegt. Für die Befestigung gibt es zwei bewährte Methoden: Entweder kommen reiterähnliche Hängehölzer zum Einsatz, die im Abstand von etwa einem halben Meter über die Firstspitze gesetzt werden, oder es werden Holzsticken mit einer Länge von 0,3 bis 0,6 Metern verwendet, von denen etwa 100 bis 200 Stück pro laufendem Meter benötigt werden. Zum Schutz gegen Wind und Vögel wird der Heidefirst üblicherweise mit engmaschigem Drahtgeflecht abgedeckt und zugsicher verspannt.

Eine regionale Alternative ist der Haferstrohfirst, der besonders in Dänemark und in der Region Kappeln verbreitet ist. Haferstroh gilt als besonders haltbar und wird ähnlich wie der Heidefirst installiert, allerdings mit zusätzlichen Eichenholzreitern.

Grassodenfirste – natürlich und langlebig

Bei Sodenfirsten unterscheidet man grundsätzlich zwei Varianten: Grassodenfirste und Heideplaggenfirste. Der flache Grassodenfirst besteht aus gewachsenen Rasenstücken mit einer Dicke von 5–10 Zentimetern, einer Länge von rund 1,40 Metern und einer Breite von 30–40 Zentimetern. Zum Schutz des Reetfirstes sollte unter die Sodenschicht Bitumendachpappe gelegt werden.

Die Grassoden müssen gut durchwurzelt sein und werden mit den Wurzelenden nach unten verlegt, sodass sie den First in einer Breite von mindestens 1,1 Metern abdecken. Entscheidend ist die versetzte Verlegung: Weder außen noch innen dürfen die Stoßfugen der aufeinanderliegenden Soden zusammentreffen. Die Überdeckung sollte mindestens eine halbe Sodenbreite betragen. Zur Sicherung werden in jede zweite Sode waagerecht Sticken von etwa 50–60 Zentimetern Länge eingeschlagen. Eine mögliche Ausführung ist die überlappende Deckung, bei der sich die Grassoden in Firstrichtung zur Hälfte überdecken.

Der Heideplaggenfirst wird aus erdfeuchtem Heidekraut gebildet. Die Plaggen sollten gut durchwurzelt sein, eine Dicke von 8–10 Zentimetern, eine Länge von 30–60 Zentimetern sowie eine Breite von rund 30 Zentimetern aufweisen. Die Verlegung erfolgt sowohl schräg als auch seitlich im Verband. Der First erreicht in der Regel eine seitliche Höhe von etwa 90 Zentimetern bei einer Stärke von rund 20 Zentimetern. Auch hier empfiehlt sich ein engmaschiges Drahtgeflecht als Schutz gegen Wind und Vögel.

Moderne Alternativen – Kupfer und andere Werkstoffe

Reetdächer lassen sich auch mit anderen Materialien eindecken. Kupferkappen, spezielle Tonziegel oder Wellplatten gelten als moderne Alternativen. Für diese Lösungen ist ein zusätzlicher Firstdachstuhl über der letzten Reetlage erforderlich, an dem die Materialien befestigt werden.

Kupferbleche bieten einen besonderen Vorteil: Die freigesetzten Kupferionen verhindern Algen- und Moosbewuchs. Allerdings vergrößern die Bleche die Metallfläche des Daches, wodurch das Risiko von Blitzeinschlägen (Brandschutz & Blitzschutz) steigt. Tonziegel finden vor allem in den Niederlanden Verwendung und verleihen dem Reetdach eine markante Optik.

Fazit und Empfehlung

Die Wahl der passenden Firstart hängt von mehreren Faktoren ab: regionale Traditionen, verfügbare Materialien, klimatische Bedingungen und persönliche Vorlieben. Jede Ausführung bietet eigene Vorteile und stellt unterschiedliche handwerkliche Anforderungen. Bereits bei der Planung sollte die Firstart in die Gestaltung der Unterkonstruktion einbezogen werden, um ein langlebiges und funktionales Ergebnis zu erzielen. Unverzichtbar bleibt in jedem Fall die fachgerechte Ausführung durch erfahrene Reetdachdecker.

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