Reetdachdecker: Beruf, Ausbildung & Qualifikation
Schon in der Bronzezeit wurde getrocknetes Schilfrohr, das Reet, für Dächer verwendet. Heute arbeiten Reetdachdecker als hochspezialisierte
Handwerker, die für Neubauten, Reparaturen und Wartung verantwortlich sind.
Die Ausbildung zum Reetdachdecker dauert in der Regel drei Jahre. In den ersten beiden Jahren erfolgt die Grundausbildung im
Dachdeckerhandwerk, im dritten Jahr folgt die Spezialisierung auf Reetdachtechnik. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht zwingend,
ein Hauptschulabschluss mit grundlegenden mathematischen Kenntnissen erleichtert den Einstieg.
Die fachliche Ausbildung umfasst das Berechnen von Dachflächen, den Aufbau von Unter- und Tragekonstruktionen sowie das fachgerechte
Eindecken mit Reet. Auch Materialkunde ist zentral: Die Beurteilung der Reetqualität – trocken, feucht oder fäulnisgefährdet – entscheidet
über die Haltbarkeit des Daches. Traditionelle Techniken mit dem Klopfbrett werden ebenso vermittelt wie der Umgang mit modernen Maschinen.
Wichtige Eigenschaften erfolgreicher Reetdachdecker sind Teamfähigkeit, Geduld, handwerkliches Geschick, körperliche Fitness,
technisches Verständnis und ein Gespür für Formen und Proportionen. Schwindelfreiheit und Sicherheit in der Höhe sind unerlässlich,
da die Arbeit bei Wind und Wetter auf dem Dach erfolgt.
Nach einigen Berufsjahren besteht die Möglichkeit, den Meistertitel zu erwerben. Dieser dokumentiert höchste fachliche Kompetenz,
erlaubt die Ausbildung von Lehrlingen und die Führung eines eigenen Betriebs. Der Beruf des Reetdachdeckers bietet einen abwechslungsreichen
Arbeitsalltag, kombiniert Tradition mit moderner Technik und eröffnet gute langfristige Perspektiven im Handwerk.
Reetdachdecker Gehalt, Tariflohn & Jobperspektiven
Das Gehalt von Reetdachdeckern richtet sich nach Qualifikation, Erfahrung und Region. Der Tariflohn liegt aufgrund der spezialisierten
Tätigkeit in der Regel über dem Durchschnitt anderer Dachdeckersparten. Einstiegsgehälter für Gesellen liegen etwa zwischen 2.500 und
3.000 Euro brutto, während erfahrene Fachkräfte und Meister höhere Einkommen erzielen.
Die Nachfrage nach qualifizierten Reetdachdeckern ist in vielen Regionen, insbesondere an der Nord- und Ostseeküste sowie traditionellen
Reetdachgebieten, deutlich höher als das Angebot. Daraus ergeben sich sichere Beschäftigungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, bei
entsprechender Qualifikation einen eigenen Betrieb zu führen.