Wirtschaftliche Bedeutung von Schilf

In den Gebieten, in denen Schilf in ausreichenden Mengen vorkommt, war und ist es für die Menschen ein Hilfsmaterial.

Schilf ist einer der ältesten Naturbaustoffe unserer Kulturgeschichte und wird in erster Linie für den Hausbau verwendet. Durch die Anfänge von Ackerbau und Viehzucht wurden die Menschen zunehmend sesshaft und bauten ihre ersten Hütten. Als Baustoff wurden lokale Materialien verwendet: Knüppelholz, Gras, Schilfrohr, Moos und Lehm. Heutzutage werden aus Schilf Unterputzgewebe (Rabitzgeflecht), Dämmplatten (Schilfplatten) und Trockenbauelemente gefertigt. Zudem gilt Schilfrohr als zuverlässiges Bedachungsmaterial.

Im Gartenbau wird Schilf als Material für Zäune, Windschutzwände, Sichtschutzmatten und als Baumschutz verwendet.

Reet wurde zudem als Heizmaterial verwendet, vor allem bei langen Wintern in waldarmen Gebieten. In schilfrohrreichen Gegenden findet man daher spezielle langgestreckte Öfen, in denen die Bunde mit der dickeren Endseite eingeführt werden, um sie dann langsam zu verbrennen und nachzustoßen. Mit einer erzeugten Wärmemenge von 3600-3800 cal/g bei 10 % Holzfeuchte ist Reet ein guter Ersatz für Holz und wurde seit Jahrhunderten zum Heizen und Kochen benutzt.

Schilf wurde seit vorgeschichtlicher Zeit als Fischabsperrungsmaterial und zum Bau von Fischfallen benutzt. Als Wasserpflanze zeichnet sich Schilf hier durch eine lange Haltbarkeit aus. Schilfrohr spielt eine wichtige Rolle in der Zelluloseindustrie. Das Schilf wird, vor allem in Rumänien und Russland, zur Erzeugung von Pappe, Wellkarton und Papier verwendet. Dabei sollte die aus dem Schilf gewonnene Zellulose am besten zu 50 % mit Holzzellulose gemischt werden. Eine Schilfrohrfläche im Donaudelta in Rumänien erzeugt z.B. 6,64-mal mehr Zellulose als eine gleich große Fichtenwaldfläche.

In den Niederlanden wurde Schilf dazu genutzt, Teile des Ijsselmeers zu verlanden und so neuen Ackerboden zu schaffen.

Schilfsprossen werden in einigen Gebieten als Gemüse verwendet, auch Mehl zum Brotbacken kann man aus dem getrockneten Rhizom herstellen.