Schilfprodukte für den Bau

Schilfrohr ist durch seine Eigenschaften ein ideales Produkt zum Bauen.

Dachreet – Schilf als Bedachungsmaterial

Reet hat sich als Deckmaterial seit Jahrhunderten bewährt. Die wärmedämmende Eigenschaft des Reets und seine Wasserresistenz kommen hier zum Tragen. Als „fellartiges” Deckmaterial wird wie bei dem Tierpelz der Klimahaushalt ökonomisch gestaltet. Das Eindringen von Feuchtigkeit wird verhindert und das Abfließen des Regenwassers gefördert. Gleichzeitig wird eine flexible Dachhaut geschaffen. Die Elastizität der Dachhaut ist notwendig, um den Windruck standzuhalten und das Arbeiten der hölzernen Dachkonstruktion abzufangen. Das Dachreet wird in Bunden geliefert, wobei ein Reetbund 60 cm Umfang hat. Zum Decken von 1 m² Dachfläche mit einer 35-40 cm starken Reetschicht werden 10 bis 12 Bunde Reet benötigt.

Im Zusammenhang mit Schilf als Bedachungsmaterial spielt Lehm eine wichtige Rolle. Oft wurden und werden in Norddeutschland die Reetdächer von innen mit Lehm verputzt. Dies hat mehrere Vorteile für das Reetdach. Das Dach wird auf diese Weise winddicht gemacht und so seine isolierende Wirkung unterstützt. Der Lehm entzieht dem Reetdach und den Dachsparren Feuchte, dadurch werden die Dachbalken konserviert, Schimmelpilzbildung verhindert und die Verrottung verlangsamt. Der Lehmputz dient auch als Brandschutz, im Brandfall bildet der Lehm eine schützende Schicht und verzögert ein Übergreifen des Feuers vom Dach auf den Innenraum.

Hiss Reet Platte – Schilf als Dämmstoff

Als Dämmstoff hat Schilf sich in Form von gebundenen Platten bewährt. Hier kommen die guten Wärmedämmeigenschaften des Schilfs zum Tragen. Die Schilfplatte besteht aus vielen parallel, nebeneinander und übereinander angeordneten Schilfhalmen, die mechanisch fest zusammengepresst und mit 2 mm starken, verzinkten Drähten zusammengebunden werden. Die Schilfplatten sind 2,3,5,6,8 oder 12 cm stark und werden je nach benötigter Dämmung kombiniert.

Schilfplatten werden als Dach- und Wanddämmung im Innen- und Außenbereich verwendet.
Quer zum Halm können Schilfplatten mit der Stichsäge, Handkreissäge oder Trennscheibe geschnitten werden. Längs zum Halm werden mit dem Seitenschneider die Drähte durchtrennt, Ablängungen sind entsprechend der Absteppung möglich.

Dachdämmung

Bei der Befestigung von Decken- und Dachkonstruktionen sind Schrauben mit Dämmplattentellern bzw. Unterlegscheiben zu verwenden. Als Aufsparrendämmung werden die Dämmplatten auf die Holzsparren gelegt und durch die Konterlattung gehalten. Als Zwischensparrendämmung werden die Dämmplatten auf Sparrenbreite abgelängt und von einer Unterlattung gehalten. Als Innendämmung werden die Dämmplatten auf einer an den Sparren angebrachten Unterkonstruktion mit Hilfe von Schrauben und Dämmplattentellern befestigt.

Wanddämmung

Die Befestigung der Dämmplatten auf einer Unterkonstruktion erfolgt mit Leichtbauplattenstiften oder mit verzinkten Schrauben und Unterlegscheiben. Unterkonstruktionen sind in einem max. Abstand von 50 cm auszubilden.

Als aufgemörtelte Dämmplatten werden Schilfrohrplatten in ein Mörtelbett aus plastischem Lehmunterputz eingedrückt. Um einen vollflächigen sicheren Verbund mit dem Mörtel zu gewährleisten, werden die Platten mit fünf Spreizdübeln oder Schrauben mit Tellerdübel je m² in den Lehm gepresst und im Untergrund befestigt.

Verputzen

Nach dem Anbringen werden die Dämmplatten verputzt. Der Putzauftrag erfolgt ohne Vornässen mit nicht zu steifem Mörtel. Entsprechend dem Putzmaterial müssen die Plattenstöße armiert werden. Im Außenbereich ist ein Metall- oder Glasfaser Putzträgergewebe vorzusehen, das nach den Regeln des Putzer- und Stuckateurhandwerks verarbeitet und befestigt wird. Bei der Außendämmung von Gebäuden mit höherer Schlagregenbelastung wird die Anwendung wasserabweisender Putzsysteme (z.B. Colfirmit Mineralleichtputz oder Colfirmit Leichtgrundputz als Unterputz) empfohlen. Die Putzoberfläche ist hier nur eben abzuziehen. Nach dem Abbinden wird eine ca. 4-5 mm dicke Armierungsschicht fein aufgebracht. Als Oberputz kommen im Innenbereich Edel-Dekor, oder Strukturputz, im Außenbereich Silikat- oder Kalkputz in Frage.

Schilf als Bewehrung

Schilfrohrgewebe werden als Putzträger und zur Armierung von mehrlagigen Putzen verarbeitet. Die grobe Oberflächenstruktur lässt den Putz (vorzugsweise Lehm) ideal am Schilfgewebe haften. Die guten statischen Eigenschaften des Schilfsrohrs geben dem Schilfgewebe Stabilität und erleichtern die Verarbeitung. Das Schilfgewebe besteht aus ca. 70 Schilfhalmen, die mit 0,7 mm starkem, verzinktem Draht verknüpft werden (10 cm Bindung oder 20 cm Bindung).

Bei flächiger Verarbeitung wird der Bindedraht des Gewebes mit verzinkten Klammern von mind. 16 mm Länge festgetackert. Der Draht soll dabei das Schilfrohrgewebe an den Untergrund drücken. Wird das Gewebe auf einer Unterkonstruktion befestigt, wird es mit einem zusätzlichen 1,2–1,6 mm starken verzinkten Draht angetackert. Der Abstand der Klammern untereinander beträgt zwischen 5–7 cm. Der Abstand zwischen den Unterkonstruktionshölzern sollte nicht mehr als 20 cm betragen. Das Schilfrohr darf vor dem Verputz nicht angenässt werden, dies würde die Putzhaftung verschlechtern. Ein Schlämmen des Schilfrohrgewebes ist ebenfalls unnötig. Die Schilfrohrgewebe sind auch als verlorene Schalung für Leichtlehmschüttungen einsetzbar.

Schilf als Leichtbauwand

Hiss Reet Wände sind ökologische, nicht tragende Trennwände aus nachwachsenden Rohstoffen und eine Neuentwicklung für den Trocken-, Leicht- und Innenausbau. Die guten Schalldämmeigenschaften, aber auch die wärmedämmenden Eigenschaften des Schilfrohrs, kommen bei der Hiss Reet Wand zum Tragen. Die Hiss Reet Wand wird ohne chemische Bindung hergestellt. Mittels mechanischer Pressung werden die Schilfrohrhalme zwischen zwei gefälzte Fichtenholzständern fest zusammengedrückt und mit 2 mm starkem, verzinktem Metalldraht gebunden. Mit einer Breite von 625 mm orientieren sich die Hiss Reet Wände an der Standardbreite für Ständerwerke.

Trennwand

Hiss Reet Wände werden wie die Schilfplatten mit der Stichsäge, Handkreissäge oder Trennscheibe geschnitten. Längs zum Halm können mit dem Seitenschneider die Drähte durchtrennt, Schilfhalme entnommen und später problemlos wieder zusammengebunden werden. Eine passend gefälzte Wandleiste, die an die Wand geschraubt wird, bildet den Anfang der Wand. An Boden und Decke werden vor dem Aufstellen der einzelnen Elemente je nach geplantem Wandverlauf 8 cm breite Boden- und Deckenleisten geschraubt. Das erste Element wird sowohl an die Wandleiste, als auch an die Boden- und Deckenleiste geschraubt. Die nachfolgenden Wandelemente werden nun einfach durch die Vorbohrungen mit ihrem Vorgänger verschraubt und an Boden- und Deckenleiste fixiert. Das abschließende Wandelement wird durch Aufschneiden der Drähte und Entnahme von Schilfhalmen auf die passende Breite gebracht. Das abschließende Wandelement wird mit einer zuvor montierten Wandleiste geschraubt.

Verputzen

Der Putzauftrag erfolgt ohne Vornässen mit nicht zu steifem Mörtel. Entsprechend dem Putzmaterial müssen die Wandstöße und Wandflächen armiert werden. Dazu dient bei Wandstößen ein Metallgewebe (Rippenstreckmetall), bei Wandflächen Jute- oder Textilglasfaser- Putzträgergewebe, das nach den Regeln des Putzer- und Stukkateurhandwerks verarbeitet und befestigt wird. Als Feinputzputz kommen Edel-Dekor- oder Strukturputz in Frage. Ggf. erfolgt abschließend ein Anstrich mit Ausgleichsfarbe.