Reetdach ABC

Blume
Die Ähre des Reethalmes.

Brücke, Bordschicht
Die erste Decklage des Reetdaches.

Bund
Das kleinste Einheitsmaß für Schilf. Ein Bund kann auch als Bündel, Garbe, Schof, Schoof, Schob, Scheeb oder Docke bezeichnet werden.

Der Bundumfang beträgt – gemessen 30 cm bis 40 cm vom Wurzelende – 45 cm bis 80 cm.

Dachhaut
Das an der Unterkonstruktion befestigte Deckmaterial ist Teil eines Daches, das vor der Witterung schützt.

Dachhaken (Knieps)
Handgeschnitze oder gesägte Steckhölzer mit Griff, welche die Vorlegestange im Reet festklemmen.

Dachneigung
Weichdächer sollten mindestens einen Neigungswinkel von 45° haben. Je geringer die Dachneigung ist, desto größer ist die Gefahr, dass das Dach beschädigt wird. In regnerischen und stürmischen Gegenden sollte der Winkel 50° betragen.

Dachstuhl (Dachkonstruktion)
Bezeichnet den baulichen Aufbau eines Daches. Die tragende Konstruktion dient zur Befestigung der Dachhaut, die je nach Bauweise beispielsweise aus Sparren, Pfetten, Rofen oder anderem bestehen.

Dachstuhl (Dachschemel)
Leiter- oder stuhlähnliche Holz- bzw. Aluminiumkonstruktion, die mit einem oder zwei Eisenhaken durch das Reet an den Dachlatten sicher verankert werden kann. Neben dem Laufbaum ist der Dachstuhl die einzige Unterlage, von der aus der Reetdachdecker arbeiten kann.

Eulenloch
Das Giebeldreieck am First eines abgewalmten Daches, diente beim Urhaus als Rauchabzug. Wird das Giebeldreieck geöffnet, können Eulen unter dem Dach nisten.

Dachüberstand
Teil des Daches (Traufe, Ortgang), der über die Außenwand des Hauses ragt.

Fimm
Ein Paket aus 100 Bunden Reet.

First
Höchste, waagerechte Kante an einem geneigten Dach, an dem sich zwei Dachflächen treffen. Der First wird auch als Firstlinie oder Forst bezeichnet.

Gaube, Gaupe
Dachöffnung im geneigten Dach. Sie dient zur Belichtung und Belüftung der Dachräume.

Grassodenfirst
Für den Grassodenfirst werden zur Abdeckung aus Wiesen (vorzugsweise aus Salzwiesen, an der Nordseeküste) Soden ausgestochen und schabenförmig hintereinander liegend auf den First gelegt und mit Holzpflöcken (Sticken) im Reet befestigt.

Grat
Vom First zur Traufe verlaufende obere Schnittkante, an der zwei Dachflächen aufeinander treffen.

Hänge- und Reithölzer
Zwei im Winkel stehende Holzstangen, die zum Schutz und zur Stabilisierung des Reetfirstes wie ein Reiter befestigt werden.

Hartdach
Besteht aus Dachziegeln, Steinen oder auch aus Betondachsteinen und ist im Gegensatz zum Weichdach nicht feuergefährdet.

Halmneigung
Wichtige bauliche Voraussetzung für ein langlebiges Reetdach. Die Halmneigung ist die Neigung der einzelnen Reethalme im Dach und sollte mindestens 30° betragen (Stand 10.04.2007).

Heidefirst
Bei dem Heidefirst wird Heidekraut entweder mit Holznägeln (Sticken), Maschendraht oder eichenen Hängehölzern am Dachfirst befestigt. Statt Heidekraut kann auch Stroh, Seegraß oder Heu verwendet werden.

Kaltdach
Hinterlüftete Reetdachkonstruktion.

Kehle
Vom First zur Traufe verlaufende, im Gegensatz zum Grad, untere Schnittkante zweier Dachflächen.

Klopfbrett (Dachschaufel)
Holzbrett mit einem Stiel, den Dachdecker benutzen, um die Halme in die Bindung bzw. Naht zu treiben. Dadurch gewinnt das Dach an Festigkeit, Halt und Schönheit.

Kniep, Knipp
Maß der Überhöhung zwischen der Auflagekante der Unterseite der Dachhaut (Traufbrett bzw. Mauergesims) und der Dachlattenebene.

Lattung
Waagerechte Dachhölzer, die auf Sparren befestigt werden, um die Dachhaut zu tragen.

Laufbaum
Standunterlage für Reetdachdecker, die nach der vierten Reetlage mit Eisenhaken oder Seilen an der Lattung befestigt wird. Der Laufbalken „wandert“ im Verlauf der Dachdeckung bis zum First.

Leckbretter
Übereinander lappende Bretter, die unterhalb von Gauben und Schornsteinen als Regenschutz dienen.

Lecksoden
Grassoden, die anstelle von Leckbrettern verwendet werden.

Maßlage
Letzte und vorletzte Reetlage am First, das Reet der Maßlage wird auf ein bestimmtes Maß geschnitten, damit es nicht über den First hinausragt.

Ort, Ortgang
Schräg verlaufende Dachlinie (Giebelkante ) des Giebels von der Traufe bis zum First. Kann mit oder ohne Windbrett gestaltet sein.

Proppen
Mit dem Reetschneider auf 45-50 cm Länge geschnittene handdicke Bündel, mit denen Löcher im Reetdach „gestopft“ werden können.

Reet
Reet, auch Ried, Reth, Reith, Rohr oder Schilf genannt, wird für die Dachdeckung an Binnenseen, Flussläufen und in Küstenregionen manuell oder mit Erntemaschinen gewonnen.

Reeternte
Das Reet kann manuell mit der Reetsense, einer Handsichel oder dem Reetschieber geerntet werden. Das Reetschneiden erfolgt im Winterhalbjahr nach den ersten Frostperioden, wenn die Schilfblätter abgefallen sind. Unmittelbar nach der Ernte werden die Halme durch Ausschütteln gesäubert und zu Reetbunden gebunden.

Reetdachfirst
Beim Reetfirst wird außer Bindematerial feinhalmiges Reet verwendet, das in einer Doppelnaht an den obersten Firstlatten befestigt wird. Das Reet wird – im Gegensatz zur Flächendeckung – mit der Blume (den Ähren) nach unten befestigt, die nach Fertigstellung „stufig” abgeschnitten werden. Generell können drei Arten von Reetfirste gedeckt werden:
Angeliter Fasslag, Mecklenburger Stoßlage oder der englische Reetfirst.

Reetkappen
Die zur Firstspitze zusammenlaufenden Giebel- oder Gratkanten, die mit fast waagerecht liegendem Reet umfasst sind. Innerhalb dieses Dreiecks befindet sich das Eulenloch.

Reetlagerung
Um eine vorzeitige Versprödung des geernteten Reets zu vermeiden, wird das Reet in Bunden kreisförmig zusammengestellt; gleichzeitig wird erreicht, dass der Regen an der Außenschicht gut ablaufen kann. Für die Qualität des Reets spielt die Lagerung eine wichtige Rolle.

Reetnadel
Nadel zur Befestigung von Reet auf der Dachkonstruktion. Folgende Nadelarten werden benutzt: Kettenstichnadel, Lose Nadel, Rundnadel, Drahtnadel, Schiffchennadel, Firstnadel, Zieh- und Stecknadel

Reetpinn
Biegsame Vorlegestange für die Reetdeckung in der Kehle, an Gauben und an Graten.

Reetschneider
Ein Hilfsgerät, mit dem Reetbunde auf unterschiedliche Längen geschnitten werden können.

Reetschieber
Mit diesem handgefertigten Reetschieber kann auf dickgefrorenem Eis Reet geerntet werden. Im Aufbau ähnelt der Reetschieber einer „Mistkarre“ ohne Rad, mit einer geschliffenen Stoßkante, mit der die Reethalme geschnitten werden.

Traufe
Die untere Abschlusskante des Reetdaches, von der das Wasser der Dachfläche abtropft.

Schock
Ein Paket aus 60 Bunden Reet.

Spannungswinkel
Wichtige bauliche Voraussetzung für die Haltbarkeit von Reetdächern. Der Winkel besagt, dass das Reet bereits in der ersten Lage (Trauflage) „auf Spannung” genäht werden kann, um zu verhindern, dass das Reet später aus der Bindung herausrutscht. Der Spannungswinkel wird durch die bauliche Konstruktion der Außenwand oder der untersten Dachlattung erreicht.

Stieg
Ein Paket aus 20 Bunden Reet. Ein Stieg wird auch als Draf oder Draaf bezeichnet.

Sticken (Dachplügg)
Daumendicke Holzpflöcke zur Befestigung des Dachfirstes

Streulage
Eine ca. 5 cm dicke Reetschicht, die vor der eigentlichen Reetdeckung auf die Lattung gelegt wird, um zu verhindern, dass die auf ihr liegenden Reetlagen unter die Dachlatten geschlagen werden.

Trauflage
Die erste, aus zwei Reetlagen bestehende, untere waagerechte Unterkante des Reetdaches.

Vorlegestange
Holzstange, die dazu benutzt wird, das Reet vor dem Nähen festzuklemmen.

Warmdach
Nicht hinterlüftete Dachkonstruktion für Reetdächer, bei der die Reetschicht als Wärmedämmung funktioniert. Im Zuge der Diskussion um die Haltbarkeit von Reetdächern ist die Warmdachkonstruktion in die Kritik geraten.

Weichdach
Besteht aus Getreidestroh, Holzschindeln oder Schilfrohr.