Die Reparatur eines Reetdaches

Neben dem Wuchs von Algen und Moosen können auch Nagetiere, Vögel oder Sturm ein Reetdach schädigen. Im Folgenden wird eine Übersicht über Schäden verursacht durch Nagetier, Vögel und Stürme gegeben und die Möglichkeiten ihrer Beseitigung erläutert.

Schadensursachen

Nagetierschäden
Nach volksläufigen Erzählungen haben früher Ratten und Mäuse dem Reetdach Schaden zugefügt. Da zu dieser Zeit die Dachböden oft mit Erntegut gefüllt waren, wurden die Nager wahrscheinlich eher von dieser Nahrungsquelle angelockt als vom Dachreet, das vornehmlich als Nisthöhle gedient haben mag. Abgesehen von vereinzelten Fällen, in denen sich Marder in Dachböden eingenistet haben, liegen Hiss Reet in den letzten Jahren keine Berichte über Reetdachschäden durch Nagetiere vor.

Vogelschäden
Nicht nur der Mensch schätzt und genießt Reetdächer, auch unter unseren gefiederten Freunden sind Reetdächer äußerst beliebt. In früheren Zeiten kam es häufig vor, dass Reetdachfirste, vornehmlich für Spatzen und Sperlinge, als Nistplätze dienten. Ein Grund dafür mag die Wärme gewesen sein, die durch den First als höchsten Punkt des Hauses entwich. Heutzutage verhindert ein engmaschiges Drahtgeflecht das Einnisten der Vögel im Reetdachfirst. Allerdings ist feinhalmiges Dachreet nach wie vor ein beliebtes Baumaterial für Vogelnester aller Vogelarten. Ist der Anfang erst einmal gemacht, entstehen durch das Herausziehen von Reethalmen mit der Zeit richtige Löcher in der Reetdachdeckung, die später ausgebessert oder neu eingedeckt werden müssen.

Sturmschäden
Bei Sturm ist der Winddruck auf der Luv-Seite und der Windsog auf der Lee-Seite eines Hauses erheblich. Normalerweise ist das elastische, biegsame Weichdach diesen Windbelastungen gewachsen. Maßgebende Faktoren für die Anfälligkeit von Weichdächern gegenüber Sturmschäden sind die Form des Daches im Ganzen, insbesondere dessen Höhe, die Form der Giebelenden (z.B. bieten abgewalmte Giebel eine geringere Angriffsfläche für Windlasten als glatt hochgezogene Dachgiebeln), die Ausbildung der Details am Dach und die Einordnung des Daches in die Landschaft. Damit das Bedachungsmaterial die Windbelastungen und die dadurch verursachten Schwingungen der Dachkonstruktion abfedern und dämmen kann, muss der Luftdruckausgleich (z.B. durch die „Eulenlöcher“ und eine funktionierende Hinterlüftung der Dachhaut) unter dem Weichdach gewährleistet sein. Dies gilt vor allem für Reetdachhäuser mit ausgebauten Dachgeschossen, andernfalls können durch die unmittelbare Einwirkung von Sog- und Staudruckkräften erhebliche Sturmschäden auftreten. Sturmschäden treten zumeist an den Dachfirsten und Ortgängen auf, seltener auf den Hauptdachflächen. Vor allem durch Algen- und Moosbewuchs, oder durch Nagetiere, Marder oder Vögeln angegriffene Dachflächen sind anfällig für Sturmschäden.

Reparaturmöglichkeiten

Flicken der Dachhaut
Das Dachloch muss zunächst von Hand gereinigt werden und sämtliche vermoderten oder beschädigten Halme sollten restlos entfernt werden. Die freigelegten Bindedrähte werden nach unten gebogen. Entsprechend des Durchmessers des Loches wird nun ein konischer Pfropfen aus Reet angefertigt, der zwei bis drei mal gebunden sein sollte. Der Pfropfen wird so in das Dachloch geschoben, dass dessen Stoppelenden nach außen zeigen. Mit der Hand oder dem Klopfbrett wird der Pfropfen eingeklopft, so dass er bündig mit der Oberkante der Dachhaut ist. Ausbesserungen am Ortgang und an den Dachkehlen werden durchgeführt, indem die Halme so vorgezogen werden, dass sie 10 cm vor dem gewünschten Übergang vorstehen. Dann werden neue dünne Reethalme handvollweise eingestopft und zurückgetrieben. Zur Sicherung wird längs des Ortgangs 5 mm verzinkter Eisendraht aufgelegt und auf die Dachlatten gebunden. Die Ausbesserung von Dachkehlen erfolgt auf dieselbe Weise, hier wird allerdings auf den 5 mm dicken, verzinkten Draht verzichtet.

Überdecken der Dachhaut
Das Überdecken von dünn gewordener Dachhaut wird in der Fachliteratur kritisiert und abgelehnt. Durch die obere Platte der überdeckten Dachflächen entsteht eine heterogene Dachhaut mit Mittelfuge. Dadurch werden die bauphysikalischen Besonderheiten eines homogenen, einschaligen Dachaufbaus aufgehoben, was zu einer Verkürzung der Haltbarkeit des überdeckten Daches führen kann. Darüber hinaus ist der Unterschied der Herstellungskosten einer Überdeckung zu den Herstellungskosten einer Neudeckung aufgrund des hohen Lohnkostenteils gering.

Ersetzen der Dachhaut
Bautechnisch fachgerecht ist, im Gegensatz zum Überdecken der Dachhaut, das Ersetzen der Dachhaut. Ist bei der dünn gewordenen Dachhaut die Bindung oder Naht zu sehen, wird diese restlos in Rechtecken entfernt. Von unten anfangend wird dann schichtweise neu eingedeckt. Ist die Dachfläche oberhalb der reparierten Stelle intakt, werden zwei Bindungen bzw. Nähte gelöst und die liegen bleibende Bedachung mit Hilfe eines Bretts hoch gebogen und abgestützt (z.B. mit einem kurzen Holzstück, das zwischen Brett und Dachlatte geklemmt wird). Die neuen Deckschichten werden dann möglichst weit unter das Brett geschoben und verdeckt gebunden bzw. genäht. Die oberste Schicht sollte aus dünnhalmigen Reet bestehen, die lose unter das Stützbrett gepackt wird. Das Stützbrett wird dann entfernt und die Deckschicht mit dem Klopfbrett zurückgetrieben. Die ausgebesserte Dachoberfläche wird dann auf zwei oder drei Latten offen sichtbar genäht.
Firstausbesserungen

Bei einem beschädigten Reetfirst können kleinere Schäden durch übernähen bzw. Überbinden repariert werden. Oft ist es jedoch sinnvoller, den gesamten Reetfirst neu einzudecken. In diesem Zuge sollten auf jeden Fall die oberen Maßlagen überprüft und ggf. neu eingedeckt werden.

Reparaturen am Heidefirst sind unproblematisch, im Normalfall kann man das durch Witterungseinflüsse in sich zusammengesackte Heidekraut mit frischem Heidekraut aufstocken. Nach 2-3 Jahren sollte der Draht (Kükendraht, Kaninchendraht) nachgezogen werden, damit er wieder stramm anliegt und das Heidekraut sturmsicher an den First drückt.