Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien für Reetdächer

Zum Decken eines Reetdaches benötigt der Reetdachdecker spezielles Werkzeug und Verbrauchsmaterial, das wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Werkzeuge:

Bevor die Dachdecker mit der Neueindeckung oder der Reparatur eines Rohrdaches beginnen können, müssen sie neben den Deckwerkstoffen auch eine Reihe von speziellen Werkzeugen herbeischaffen:

Messer und Reetschneider:
Messer und Reetschneider dienten früher zum Kürzen der Halme. Die Klingen wurden aus Sensenblättern gefertigt und mit einem Handgriff versehen. Heutzutage benutzen die Rohrdachdecker meist Heckenscheren.

Reißhaken:
Der Reißhaken wird zum Abreißen alter Reetdeckungen verwendet und besteht aus einer gebogenen Schneide, die mit einem Holzstiel verschraubt ist. 

Klopfbrett, Treiber:
Ein wichtiges Hilfsmittel für die Deckung von Schilfdächern ist das Klopfbrett, ein bis zu 22 × 40 cm großes, mit vielen Vertiefungen versehenes Holz- oder Aluminiumbrett, das mit einem Handgriff und einem Dorn auf an der Oberseite versehen ist. Mit dem Klopfbrett wird die Dachhaut gerade geklopft und das Deckmaterial in eine gleichmäßige glatte Fläche gebracht, so dass eine bessere Spannung der Halme entsteht. Am Dorn lässt sich das Klopfbrett im Dach aufhängen. 

Deckstühle und Laufbaum:
Deckstühle sind ein wichtiges Hilfsmittel, um sich auf dem Dach schnell und sicher zu bewegen. Reetdachdecker benutzen meist zwei dieser Deckstühle, um problemlos auf dem ganzen Dach arbeiten zu können.

Ein Deckstuhl besteht meist aus einer Standfläche mit drei bis vier Tritten und hat die Form einer kurzen Leiter. An der Unterseite befinden sich Eisenhaken, die an die darunter liegende Dachlatte gehangen werden, um ein Abrutschen zu verhindern. Früher benutze man zudem Laufbäume, das sind 4-6m lange Baumstämme die mit Eisenhaken hinter die Lattung geklemmt wurden. 

Stopfbretter:
Stopfbretter sind nicht mit dem heutigen Klopfbrett zu verwechseln. Der Stroh- und Reetdachdecker benötigte es früher zum Unterfüttern und Ausbessern kleinerer schadhafter Stellen im Dach.

Saumstock, Haltestock, Spier, Schägt oder Schächt:
Eines der einfachsten Hilfsmittel zum Niederhalten von Reet und Stroh bei genähten Dächern ist eine möglichst lange, gehobelte Latte, an deren einem Ende ein gebogener Griff (früher oft die Spitze eines Kuhhornes) angebracht ist. Diese nennt man Haltestock oder auch Saumstock. Heute verwenden viele Dachdecker anstatt des Saumstockes verzinkten Rundstrahl (Stangendraht) und Knechte. 

Saumhaken, Knecht, Dachhaken:
Saumhaken, auch Knechte genannt, sind etwa 35 bis 55 cm lange, am oberen Ende gebogene Eisenstecken (früher Holzstecken), an dessen seitlichen Kanten Widerhaken eingearbeitet sind. Sie dienen nicht nur der provisorischen Befestigung von offenen Reetbunden, sondern auch zum Festhalten des Saumstocks bzw. Stangendrahtes. Zum Entfernen werden die Knechte um 90° gedreht und wieder herausgezogen.

Spulen:
Eine Spule ist eine Art Rad, auf dem Draht gespult ist. Mit Hilfe eines Knechts wird die Spule im Reet verankert, so dass der Dachdecker den benötigten Draht leicht abspulen kann.

Flachzangen, Drahtzangen und Bolzenzangen:
Die Flachzange hat flache Zangenbacken und wird zum Festhalten der Bindung benutzt. Die Drahtzange hat scharfe Zangenbacken, mit Hilfe der Drahtzange werden Reetbunde aufgeschnitten und der Bindedraht abgekürzt. Mit der Bolzenzange wird der Stangendraht bzw. Spann- oder Saumdraht abgelängt.

Gebogene und gerade Bindenadel mit Öse oder Widerhaken:
Die Bindenadel mit Öse ist meist 60-75 cm lang und wird aus 8 – 10 mm Rundstahl geschmiedet und mit einem Griff (früher meist eine Kuhhornspitze) versehen. Sie wird bei gebundenen und bei genähten Dächern eingesetzt und dient beim Bindevorgang dazu den Bindedraht durch das Reet nach oben zu ziehen. Bei der gebogenen Bindenadel ist die Nadel zum unteren Ende hin gebogen. Die Enden sind abgeflacht und mit einer Öse versehen, durch die der Bindedraht gefädelt wird. Dies kann auch mit Hilfe eines Widerhakens geschehen.

Rundnadeln:
Die runde Nadel wird hauptsächlich bei gebundenen Dächern eingesetzt. Sie hat meist einen Durchmesser von 30 – 45 cm, wird aus 8 – 10 mm starkem Rundstahl gefertigt, ist am Ende abgeflacht und meist mit einer Öse versehen. Mit der Rundnadel wird der Bindedraht unter den Latten hinweg durch die Deckschicht gezogen.

Schiffchen:
Schiffchen sind etwa 35 cm lange, schmiedeeiserne Nadeln. Hinter der Spitze der Schiffchen ist ein Widerhaken geschmiedet. Auf den Schaft des Schiffchens können 20-50 m Bindedraht gewickelt werden. Das Schiffchen wird meist in Mecklenburg verwendet und macht den Gegennäher entbehrlich. Bei Verwendung des Schiffchens stößt man es durch die Dachhaut, durch Herumgreifen unter der Dachhaut und Dachlatte wird das Schiffchen wieder nach oben gezogen und bindet so die Bundlage fest.

Rödler, Drillapparat:
Der Rödler ist ein etwa 30 cm langer Apparat mit einem Kunststoffgriff, in dem sich eine gefräste Spindel mit automatischem Rücklauf befindet. Am Ende des Apparates ist eine gebogene Spitze. Beim geschraubten Reetdach wird mit Hilfe dieses Apparates die Bindung festgedreht.

Schraubverlängerungen:
Schraubverlängerungen sind ca. 40 cm lange Verlängerungen für Bits, mit denen man bei geschraubten Schilfdächern die Schrauben in die Dachlatten schraubt. Schraubverlängerungen sind mit Pozi (Kreuz)- und Assybits (Tolk) erhältlich.

Nicht zu vergessen ist die Arbeitsbekleidung, zu der mittlerweile nur noch die Knieschoner zählen. Diese sollen die Hose und vor allem auch die Knie des Reetdachdeckers vor Verletzungen der scharfkantigen Stoppeln schützen und helfen zusätzlich bei dem Nähvorgang die Decklage zusammenzupressen.

Schon immer arbeiteten die Reetdachdecker mit diesen Geräten auf die gleiche Art und Weise. Nur Kleinigkeiten haben sich im Laufe der Zeit verändert. Manche dieser Werkzeuge werden heutzutage nicht mehr ausschließlich aus Holz, sondern aus Metall hergestellt, so sind z.B. Deckstühle aus leichtem Aluminium erhältlich.

Doch nach wie vor werden die Werkzeuge der Reetdachdeckers von Hand gefertigt und sind stets Unikate.

Verbrauchsmaterialien:

Stangendraht, Saumdraht, Schacht:
Stangendraht ist 4 – 8 mm verzinkter Draht, der beim Nähen oder Schrauben eines Daches benutzt wird. Mit Hilfe des Stangendrahtes werden die einzelnen Reetschichten an der Unterkonstruktion gehalten.

Bindedraht:
Bindedraht ist 1,0 – 1,4 mm starker Chromnickeldraht, der zum Binden, Nähen oder Schrauben verwendet wird. Bei dem genähten und dem geschraubten Dach zieht der Bindedraht den Stangendraht an die Unterkonstruktion und hält so die einzelnen Reetschichten.

Dachdeckerschrauben:
Dachdeckerschrauben sind Schrauben, um die ein 1 mm starker Chromnickel-Bindedraht gewickelt ist, dessen Enden jeweils ca. 40 cm lang sind. Dachdeckerschrauben sind in Längen von 35 – 100 mm erhältlich. 

Sticken:
Sticken sind Holzpflöcke aus Haselnuss, Weide oder Kiefernholz. Es werden circa 100-150 Sticken pro laufenden Meter nach einem bestimmten Muster in den Heidekrautfirst gesteckt, um diesen zu halten.

Achteck-Drahtgeflecht (Kükendraht):
Das Achteck-Drahtgeflecht wird meist dazu benutzt, dem Heidekraut auf dem First zusätzlichen Halt zu geben. Dazu wird es mit Dachdeckerschrauben an der Unterkonstruktion befestigt oder festgenäht.